Leiter Bewirtschaftung Nicola Pauli und Sachbearbeiter Bewirtschaftung Fabian Streit von der Lifestyle Company AG teilen im Interview ihre Ansichten über die hohe Mietquote in der Schweiz und deren Auswirkungen auf Umwelt und Zersiedelung. Und erklären, warum das Mieten derzeit günstiger ist als der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses.
Nicola Pauli: Die hohe Mietquote in der Schweiz lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Einerseits ist der Erwerb von Wohneigentum aufgrund der hohen Immobilienpreise für viele Menschen unerschwinglich. Andererseits gibt es ein stark ausgeprägtes Vertrauen in das Mietsystem. Die Mietwohnung gilt als langfristig funktionierende Option, und in vielen Städten sind Mietwohnungen günstiger als der Kauf von Wohneigentum. Besonders in städtischen Gebieten mit teuren Immobilienmärkten bleibt als einzige Option das Mieten.
Fabian Streit: Ein bedeutender Vorteil des hohen Anteils an Mietwohnungen ist, dass die Schweiz bei der Raumplanung eher auf verdichteten Wohnungsbau setzt. Dies hilft, die Zersiedelung zu bremsen und Landressourcen effizienter zu nutzen. Architekten wie Benedikt Loderer betonen, dass durch das vermehrte Bauen von Mehrfamilienhäusern statt Einfamilienhäusern die Ausbreitung in ländliche Gebiete eingedämmt wird. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern vermindert die Schweiz somit die flächenmässige Zersiedelung, die oft mit grossen Einzelhäusern in ländlichen Regionen einhergeht.
Nicola Pauli: In der Schweiz gibt es ein gut ausgearbeitetes Mietrecht, das den Mietern in bestehenden Mietverhältnissen einen guten Schutz bietet. Dies betrifft vor allem die Mietpreisregulierung und die Regelungen für die Heizkosten. Das Prinzip der «Kostenmiete» sorgt dafür, dass Mietpreiserhöhungen transparent und nachvollziehbar sind. Allerdings gibt es bei neuen Mietverhältnissen grössere Freiheiten für Vermieter, was dazu führt, dass in städtischen Gebieten die Mietpreise deutlich höher sind als in bereits bestehenden Mietverhältnissen.
Fabian Streit: Aufgrund der höheren Zinsen und der gestiegenen Immobilienpreise sind die Gesamtkosten für Wohneigentum in der Schweiz zurzeit höher als die Mietkosten für vergleichbare Wohnungen. Insbesondere in den letzten Jahren, in denen die Zinsen gestiegen sind, wurde das Mieten wieder attraktiver. In der Vergangenheit, als die Zinsen niedrig waren, war der Kauf von Immobilien hingegen günstiger. Aber auch unabhängig von der Zinslage spielen weitere Faktoren wie Unterhaltskosten und Eigenkapitalanforderungen eine Rolle.
Nicola Pauli: Ja, politisch gibt es regelmässig Konflikte zwischen den Interessen von Mietern und Eigentümern. Einerseits gibt es Bestrebungen, den Mieterschutz zu stärken, insbesondere in städtischen Regionen, wo steigende Mieten das Leben für viele unerschwinglich machen. Andererseits setzt sich der Hauseigentümerverband (HEV) für mehr Freiheiten auf dem Markt und gegen zu starke Regulierung ein. Volksabstimmungen und politische Initiativen wie die der Mieterverbände zeigen, dass die Themen Mietpreise und Mieterrechte in der Schweiz immer wieder ein heisses Eisen sind und häufig zu knappen Abstimmungsergebnissen führen.